Die Krise des Anstands: Wenn Moral zur Verhandlungsmasse wird

Hamburg, 15.03.2025 – Anstand und Moral – einst tragende Säulen einer funktionierenden Gesellschaft – geraten zunehmend ins Wanken. Besonders sichtbar wird dies bei Persönlichkeiten, die weltweit Schlagzeilen machen und dabei gesellschaftliche Grenzen verschieben. Die Tageszeitungen werden täglich von Akteuren dominiert, die Staaten repräsentieren und stehen exemplarisch für eine Entwicklung, in der moralische Prinzipien immer häufiger zur Verhandlungsmasse werden oder schlimmer noch, keine Rolle mehr spielen.
Zwischen Machtinteressen und moralischem Anspruch
Der 47 amerikanische Präsident hat mit provokanter Rhetorik und einer Politik des Egoismus neue Maßstäbe für politische Konfrontation gesetzt. Sein Berater, der reichste Mann der Welt, polarisiert durch unbedachte Statements und kontroverse Gestiken. Als Berater des Präsidenten rasiert er staatliche Institutionen wie niemals jemand zuvor. Ein anderer Präsident wiederum missachtet mit aggressiver Außenpolitik und repressivem Vorgehen grundlegende Menschenrechte. Gemeinsam zeigen sie, dass moralische Grundsätze oft nur dann von Bedeutung sind, wenn sie dem eigenen Vorteil dienen. Diese Haltung gefährdet nicht nur gesellschaftliche Normen, sondern erschüttert auch das Vertrauen in Institutionen und demokratische Prozesse.
Fakten in Zeiten moralischer Beliebigkeit
In einer Welt, in der moralische Grenzen zunehmend verschwimmen, wird es immer schwieriger, Fakten von Meinungen zu unterscheiden. Die Informationsflut, gepaart mit gezielter Desinformation, verunsichert viele Menschen. Hier gewinnt die Fähigkeit zur Resilienz an Bedeutung. Wer über eine gefestigte Haltung verfügt, ist weniger anfällig für Manipulation. Resilienz bedeutet, Informationen kritisch zu hinterfragen, zwischen Wahrheit und Propaganda zu unterscheiden und dem Druck des Zeitgeists standzuhalten. Diese innere Stärke erwächst aus Bildung, Erfahrung und dem bewussten Willen, ethische Maßstäbe nicht aufzugeben, nur weil sie unbequem erscheinen.
Die Bedeutung für Hamburg
Auch Hamburg bleibt von diesen globalen Entwicklungen nicht unberührt. In einer weltoffenen Stadt, geprägt von Vielfalt und internationalem Austausch, ist es umso wichtiger, Resilienz als gesellschaftliche Stärke zu fördern. Bildungseinrichtungen, Medien und politische Institutionen tragen Verantwortung, Fakten einzuordnen und ethische Diskussionen zu ermöglichen. Es gilt, Räume zu schaffen, in denen Anstand kein Relikt der Vergangenheit ist, sondern als Grundlage eines respektvollen Miteinanders verstanden wird.
Denn auch in Hamburg entscheidet sich täglich, ob Werte wie Respekt, Ehrlichkeit und Verantwortung nur Worte bleiben oder gelebte Realität sind. Und ja, um an die letzte Kolumne anzuschließen: „Frage nicht, was Europa für dich tun kann, frage, was du für Europa tun kannst“. Auch kleine Schritte in die richtige Richtung bringen uns als Gesellschaft voran.
Ich denke, dass der Niedergang von Anstand, Moral und Gemeinsinn durch viele Faktoren verursacht wird. Das was heute unter „Individualisierung“ verstanden wird, spielt eine große Rolle. Kaufe die dieses Auto, trage diese Jeans, kaufe jenes Handy, schon bist du unverwechselbar, sagt die Werbung. Uns wird vorgegaukelt, dass es für jedes Problem eine einfache Lösung gibt. Keine Zeit zum Kochen? Nähre dich von Industriefutter! Du hast Sodbrennen? Diese Pille hilft sofort! Du hast Probleme auf dem Klo? Drei Tropfen von diesem und es flutscht wieder! Konsumiere alles, und schon ist dein Leben eine ständige Abfolge von Sensationen!
Hinzu kommen die „Sozialen Medien“. Schreib was du willst, aber du hast nur 240 Zeichen! Was nicht flasht, das taugt nichts! Der tiefe Gedanke, die Einbeziehung aller Faktoren ist nebensächlich geworden. Du brauchst nichts wissen, du brauchst nur eine Meinung. Und wenn dir was nicht passt, gibt es den menschengemachten Klimawandel eben nicht.
Wenn der Tanz um’s goldene Kalb das Einzige ist was zählt, hat das respektvolle Miteinander verloren.
Trunken taumelnde Gestalten
tasten sich durch ihre Zeit.
Weil sie das Fernrohr falschrum halten,
glauben sie, ihr Weg sei weit.
(von mir)
Die zunehmende Technisierung und Digitalisierung des menschlichen Lebens -und zusammenlebens könnte eine Rolle spielen. Eine Entfremdung des Menschen von der Natur, sprich von der Realität, lässt menschliche Fähigkeiten, wie die Emphatie verkümmern und jeder hält am Ende sich selbst für und seine Bedürfnisse für den Bauchnabel der Welt, um den sich alles zu drehen hat.