Kennst du schon unsere kostenlose App für Android?

Hole sie dir!
KulturTV

Beging „Göhrde-Mörder“ weitaus mehr Morde und Vergewaltigungen als bislang bekannt?

Hamburg. Der als „Göhrde-Mörder“ bekannt gewordene Friedhofsgärtner Kurt-Werner Wichmann könnte möglicherweise weit mehr Verbrechen begangen haben als bisher angenommen. Recherchen der „ARD Crime Time“ und der Wochenzeitung DIE ZEIT zeichnen das Bild eines Täters mit psychopathischen Zügen. Die ARD-Dokuserie begleitete die Ermittlungen des ehemaligen Leiters des Hamburger Landeskriminalamts Reinhard Chedor zu zahlreichen ungelösten Fällen, die mit Kurt-Werner Wichmann in Verbindung stehen könnten. Zum ersten Mal äußerten sich auch Frauen vor der Kamera, die Opfer von Vergewaltigungen und Bedrohungen wurden und überzeugt sind, dass der Täter Wichmann war. Die dreiteilige Serie „ARD Crime Time: Der Menschenjäger“ ist ab Mittwoch, dem 27. März, in der ARD Mediathek verfügbar. Eine 90-minütige Version wird am Mittwoch, dem 10. April, um 20.15 Uhr im NDR Fernsehen ausgestrahlt.

Die Fälle erstrecken sich durch die Bundesrepublik wie eine Kette des Schreckens: junge Frauen verschwinden, Vergewaltigungen und Morde bleiben unaufgeklärt. Zwischen 1968 und 1986 ereigneten sich mehrere Kapitalverbrechen an Frauen, die bis heute ungelöst sind. Für den ehemaligen Chef des Hamburger Landeskriminalamtes, Reinhard Chedor, sind die Schicksale der vermissten und ermordeten Frauen eine ungelöste Frage. Ihre Angehörigen suchen noch immer nach Antworten. Chedor beschäftigt die Frage, ob Kurt-Werner Wichmann, der als „Göhrde-Mörder“ bekannt ist, möglicherweise weit mehr Menschen getötet hat als bisher bekannt.

Die Jagd nach Kurt-Werner Wichmann ist für Chedor zu einer Lebensaufgabe geworden. Denn Chedor gehörte zum sogenannten „Kernteam“ um den ehemaligen stellvertretenden Hamburger Polizeipräsidenten Wolfgang Sielaff. Diese private Ermittlergruppe konnte das Verschwinden von Sielaffs Schwester Birgit Meier aufklären – etwas, woran die ermittelnden Behörden bis dahin gescheitert waren: 2017 fand das Team unter Wichmanns ehemaliger Garage vor laufenden NDR-Kameras die Knochen von Birgit Meier – knapp 30 Jahre nach ihrem Verschwinden. Die NDR-Dokumentation „Eiskalte Spur“ zeigte daraufhin die vielen Ermittlungspannen, die bis dahin den Fall begleitet hatten. Inzwischen geht die Polizei davon aus, dass Kurt-Werner Wichmann auch für die beiden Doppelmorde im Staatsforst Göhrde verantwortlich ist, die 1989 bundesweit Schlagzeilen machten. Und mehr noch: Sie glaubt, dass der Friedhofsgärtner aus Lüneburg bei einigen seiner Verbrechen möglicherweise einen Komplizen hatte. Wichmann erhängte sich 1993 in Untersuchungshaft.

Nach dem spektakulären Knochenfund hatte die Polizei das gesamte Grundstück des Friedhofsgärtners durchsucht und stieß auf mehr als 400 Gegenstände, darunter Damenhandtaschen und Damenschuhe, die bis heute niemandem zugeordnet werden können. Es gibt viele Anhaltspunkte dafür, dass Kurt-Werner Wichmann möglicherweise ein Serienmörder war, der bundesweit hinter zahlreichen „Cold Cases“ stecken könnte. Die Polizei Lüneburg hat bundesweit andere Polizeidienststellen gebeten, sich zu melden, falls Wichmann für weitere Verbrechen verantwortlich sein könnte. Bisher konnten ihm jedoch keine weiteren Taten zugeordnet werden.

Reinhard Chedor gibt jedoch nicht auf: Er überprüft zusammen mit erfahrenen Kriminalistinnen und Kriminalisten, welche bis heute ungelösten Mordserien mit Wichmanns Bewegungsprofil und Modus Operandi übereinstimmen könnten, darunter die „Disco-Morde“ im Raum Cuxhaven, bei denen sieben Frauen getötet wurden. Dafür steht er in regelmäßigem Austausch mit der ZEIT-Redakteurin Anne Kunze und dem freien Journalisten Carlo Eggeling, die seit Jahren zu dem Komplex recherchieren. Elias von Salomon und Meike Pommer begleiteten die Ermittlungen von Chedors Team und die Recherchen der Journalisten für die Dokuserie „ARD Crime Time: Der Menschenjäger“. Die Frauen, die nun zum ersten Mal ihre Erfahrungen äußern und Kurt-Werner Wichmann als Täter schildern, hatten sich zuvor bei den Journalisten gemeldet, nachdem sie von deren Berichterstattung erfahren hatten.

Die Autorinnen und Autoren der „ARD Crime Time“ sprachen außerdem unter anderem mit den Ermittelnden des Göhrde-Komplexes (Polizei Lüneburg) und mit der Rechtspsychologin Silvia Gubi-Kelm, die mit Studierenden der Medical School Hamburg die Psyche des „Göhrde-Mörders“ untersucht und das Bild eines psychopathischen Täters zeichnet. „Ich denke nicht, dass Kurt-Werner Wichmann zu Mitleid fähig war“, so Kelm gegenüber der „ARD Crime Time“.

ARD Crime Time: Der Menschenjäger“ ist eine Produktion von SPIEGEL TV in Zusammenarbeit mit DIE ZEIT im Auftrag von NDR und SWR.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert