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Kolumnen

Meinungsbeitrag: Es ist alles nicht so einfach

Jaja, wir sind uns da schon einig, die Ampel-Regierung macht es sich nicht besonders leicht und verbreitet zuweilen Unsicherheit und Chaos. Jedenfalls gewinnt man diesen Eindruck, wenn man das Hin- und her verfolgt und die teils halbgaren Ergebnisse sieht.

Wahr ist aber auch, dass es in den Vorgängerregierungen teilweise große Versäumnisse gab. Die Abhängigkeit vom Gas aus Russland beispielsweise, die selbst nach dem offensichtlichen Angriff auf die Krim nicht korrigiert wurde. Oder die Weichenstellung in die digitale Gesellschaft, die wahnsinnig viele andere Länder längst viel besser vollzogen haben, als die Deutschen. Das Thema Umwelt, bei dem Deutschland schon vor Jahrzehnten einzigartiges Know-How deutscher Ingenieurskunst nicht umzusetzen wusste. Heute kommen wesentliche Teile für erneuerbare Energien aus Asien.

Es wurde wirklich viel versäumt.

Es ist aber alles nicht so einfach, wie es sich die Schreihälse und Rattenfänger aus der rechten Ecke machen. Diejenigen angeblichen Patrioten, die den russischen Krieg gegen die Ukraine als Provokation der Nato sehen.

Ja sicher, die Zuwanderung in die deutschen Sozialsysteme ist eine wahnsinnige Herausforderung. Längst sind Wohnungen beinahe ein Luxusgut. Bereits 2015 hätte man nach dem Krieg in Syrien und der damit verbundenen Migration von Hunderttausenden ein massives Wohnungsbauprogramm starten müssen. Zu Zeiten wo Wohnungen noch erschwinglich waren hätte es Kraftaufwand benötigt.

Die fehlende Weitsicht ist tatsächlich erschreckend. Gleiches gilt für Ärzte, Medikamente, Halbleiter und sonst was für Abhängigkeiten.

Der Deutsche im Allgemeinen hat auch einen merkwürdigen Hang zum Neid. Anstelle den Reichen etwas mehr Initiative in solchen Situationen abzuverlangen, erfreut sich der Michel am Draufholzen auf die Bürgergeldempfänger. Das ist erbärmlich und vielleicht sogar typisch. Eben einfacher, als selbst mal Initiative ergreifen und dem Gemeinwohl dienlich zu sein.

Natürlich sind diese Feststellungen nicht generalisiert, es gibt immer auch die Ausnahmen.

Kommen wir aber jetzt zu der Zeichnung unseres Stadtmalers und Chronisten Ralf Schwinge. Diese trifft, wie ich finde, den Nagel auf dem Kopf! Wie schon bei vielen anderen Gelegenheiten kapern die Piraten aus der rechten Ecke den Protest um Wut und Hass zu schüren und auf die Straße zu bringen. Das ist inzwischen so durchschaubar, dass es erschreckend ist, wie es bei vielen, vielen Menschen verfängt. Fangt doch mal an, euch aus einem Querschnitt von Nachrichtenquellen zu informieren, die außerhalb der Algorithmus-Bubble liegen.

Und liebe Bauern, lasst euch nicht vereinnahmen! Bringt euren Protest zu denen, die euren Gewinn schmälern und zu wenig für die Ware zahlen. Blockiert die Discounter und Supermärkte, die Zentrallager. Setzt euch für Mindestpreise ein. Es gibt viele Möglichkeiten und ich weiß aus persönlichen Bekanntschaften, dass viele Bauern längst den Weg in die Zukunft gehen. Und wie es bei den Klimaklebern falsch ist, sich auf die Straße zu kleben, ist es auch nicht korrekt, den Tagesablauf der Menschen mittels Traktoren zu stören.

Es ist schwer, mit Zuversicht in die Zukunft zu gehen. Und die Zeiten verlangen uns wirklich viel ab, ganz oft auch persönlichen Verzicht. Am Ende ist aber das, was wirklich zählt, nämlich die Demokratie und Freiheit, unbezahlbar.

Andreas Scharnberg

Andreas Scharnberg ist freiberuflicher Journalist und betreibt nebenher sein eigenes und unabhängiges Projekt einer regionalen Onlinezeitung. Der Vater von 4 Kindern ist Experte in Sachen der Lebenshilfe, aktiver Gewerkschafter, politisch interessiert und engagiertes Mitglied beim Weissen Ring. Als Hamburger weiß er auch, wie es ist, im Regen zu stehen.

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