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Hamburg

Bauernprotest: „Wir werden den Verkehr lahmlegen bis unsere Forderungen erfüllt sind“

Hamburg. Seitdem die Regierung aufgrund der nötigen Einsparungen im Haushalt 2024 unter anderem die Subventionen auf Agrardiesel streichen will, sind die Interessenvertretungen der Bauern auf Zinne. Jetzt hat der Verein „Land schafft Verbindung e.V.“ für die kommende Woche gleich drei Versammlungen in Hamburg angemeldet. Insgesamt werden nach eigenen Angaben rund 900 teilnehmende Landwirte mit mehreren hundert Traktoren erwartet.

Und diese kündigen in den sozialen Netzwerken an, dass sie den Verkehr in Hamburg still legen wollen. Dazu sollen jeweils gegen 07:30 Uhr Treckerkolonnen aus Schleswig-Holstein kommend in Langenhorn, Rahlstedt und Bergedorf die Landesgrenze passieren und von dort auf folgenden Strecken den Abschlusskundgebungsort in der Hamburger Altstadt erreichen:

Aufzug I (aus Langenhorn kommend): Langenhorner Chaussee – Alsterkrugchaussee – Rosenbrook – Tarpenbekstraße – Breitenfelder Straße – Gärtnerstraße – Im Gehölz – Schulweg – Doormannsweg – Alsenplatz – Alsenstraße – Stresemannstraße – Neuer Pferdemarkt – Budapester Straße – Millerntorplatz – Millerntordamm – Ludwig-Erhard-Straße – Willy-Brandt-Straße/Domstraße

Aufzug II (aus Rahlstedt kommend): Meiendorfer Straße – Bargteheider Straße – Stein-Hardenberg-Straße – Ahrensburger Straße – Wandsbeker Zollstraße – Rüterstraße – Wandsbeker Marktstraße – Wandsbeker Chaussee – Lübecker Straße – Lübeckertordamm – Steindamm – Kreuzweg – Kurt-Schumacher-Allee – Altmannbrücke – Klosterwall – Willy-Brandt-Straße/Domstraße

Aufzug III (aus Bergedorf kommend): Rothenhauschaussee – Holtenklinker Straße – Am Brink – Mohnhof – Bergedorfer Straße – Eiffestraße – Anckelmannsplatz – Spaldingstraße – Amsinckstraße – Deichtorplatz/Deichtortunnel – Willy-Brandt-Straße/Domstraße

Auch im Hamburger Süden droht ein Verkehrschaos, hier werden mindestens 5 Aufmärsche aus dem Landkreis Harburg von jeweils mindestens 25 Traktoren bereits ab 6 Uhr erwartet. Die Polizei geht davon aus, dass kurzfristig weitere Anmeldungen erfolgen könnten, die auch schon vor 6 Uhr zu Verkehrsbehinderungen führen würden. Für jeweils lageangepasste Informationen verweist die Polizei auf ihren Kanal bei „X“. Diese Proteste werden von mehreren Bauernverbänden in ganz Deutschland forciert.

Die Harburger Landwirte haben den Streik am Montag zum Anlass genommen, ihre Teilnahme am Wochenmarkt Harburg für diesen Tag abzusagen.

Kritiker wenden ein, dass die Bauernverbände nichts anderes machen würden, wie die „Klimakleber“. Die Zivilgesellschaft zu schädigen, anstatt diejenigen, gegen die sich der Protest richtet, sei schon bei der Gruppe „Extinction Rebellion Deutschland“ von vielen Menschen nicht mitgetragen. Das die Bauern nun die selben Mittel anwenden, sei fragwürdig.

Unterdessen hat die Regierungskoalition am Donnerstagnachmittag die Rolle rückwärts angekündigt. Demnach soll der Agrardiesel wegen der erheblichen bürokratischen Hürden zunächst nicht abgeschafft werden.

In einer Pressemitteilung vom 5. Januar warnt die Polizei eindringlich davor, am kommenden Montag mit dem PKW in die Innenstadt zu fahren. Mittlerweile liegen der Versammlungsbehörde allein in Hamburg 16 Anmeldungen mit 15 Treckerkolonnen vor. Die Polizei rechnet deshalb mit insgesamt mehr als 2000 Landfahrzeugen auf den Straßen. Wer trotzdem fährt, sollte auf Rundfunkdurchsagen achten.

Andreas Scharnberg

Andreas Scharnberg ist freiberuflicher Journalist und betreibt nebenher sein eigenes und unabhängiges Projekt einer regionalen Onlinezeitung. Der Vater von 4 Kindern ist Experte in Sachen der Lebenshilfe, aktiver Gewerkschafter, politisch interessiert und engagiertes Mitglied beim Weissen Ring. Als Hamburger weiß er auch, wie es ist, im Regen zu stehen.

3 Kommentare

  1. Für den von den Landwirten gewählten Protest habe ich wenig Verständnis.
    Ich verstehe nicht, wie der Landkreis Harburg eine Genehmigung für diese Art des Protests erteilen kann. Oder andersherum, warum die Blockade von Straßen und Autobahnen am kommenden Montag vom Landkreis nicht untersagt wird!
    Spätestens nach den irritierenden Aktionen und Bedrohungen der Landwirte in Schleswig-Holstein sehe ich hierfür keinerlei vertretbare Legitimierung. Am kommenden Montag werden sich tausende von Eltern Sorgen um die Beförderung Ihrer Schulkinder Sorgen machen. Die Pendler, insbesondere Pflege- und Medizinisches Personal, Ordnungs- und Rettungspersonal usw. usw. weiß nicht, wie es am Montag vom Wohnort zum Arbeitsplatz gelangen soll. …zudem streikt der öffentliche Nahverkehr.
    Die Finanzlöcher sind nach Corona, Instandsetzung des maroden Bundeswehr und den Ukraine Hilfen immens.

    Mit welcher Begründung sollen der Steuerzahler und nachfolgende Generationen nun ausgerechnet diesen, so lautstark unter Androhung von Blockaden geforderten Investitionen, nachkommen?

  2. Subventionen werden immer vom Steuerzahler getragen. Die soziale Marktwirtschaft kommt dabei häufig unter die Räder. Ich habe volles Verständnis für Subventionsabbau und Bekämpfung jeglicher Art von Bürokratie.
    Für den gewählten Protest der Bauern in Bezug auf’s „eigene Portemonnaie“ habe ich kein Verständnis. Die Finanzlöcher nach Corona, Instandsetzung des maroden Bundeswehr und den Ukraine Hilfen sind gewaltig. Jetzt sollen wieder der Steuerzahler und die nachfolgenden Generationen für die größten Schreihälse herhalten?
    Nebenher wird der öffentliche Nahverkehr bestreikt. Am Montag werden tausende Eltern, Medizinisches- und Pflegepersonal … von den Landwirten in Zwangshaft genommen.
    Herzlichen Dank dafür, man kann seinen Protest auch anders vortragen.

    WL = weinende Landwirte

  3. Die bodenständigen Bauern sind viel effektiver als die kriminellen Klimakleber! Aber im Ernst: So wird das nie was mit dieser unsinnigen Schuldenbremse. Und wem haben wir die vor allem zu verdanken? FDP und CDU/CSU! Wie die AfD dazu steht, weiß ich nicht. Wenn es um die betroffenen Gruppen geht, die auch noch lautstark auftreten, ist die AfD natürlich immer für diese Gruppe und vor allem: Gegen die Regierung. Grundsätzlich sind sie ja auch gegen Subventionen. Aber was heißt das schon..

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