Hamburg

Beschäftigte der Deutschen Post AG sind bereit für einen harten Arbeitskampf

Hamburg. Die Mitarbeitenden der Deutschen Post AG haben die so genannte „Starkzeit“ gerade hinter sich gebracht. Schon immer war die Zeit rund 4 Wochen vor dem Fest bis zum Neujahrstag ausgesprochen herausfordernd für die aktuell rund 160.000 Beschäftigten des Logistikdienstleisters. Doch spätestens mit Beginn der Coronapandemie, einhergehend mit Änderungen in den Firmenstrukturen, ist die Belastung ständig derart hoch, dass der Krankenstand in den Niederlassungen teilweise bis zu 20% beträgt. Inzwischen wandern auch im erheblichen Umfang Mitarbeiter aus dem Unternehmen ab. Die Mitarbeitenden wollen deshalb neben mehr Geld vor allem auch bessere Arbeitsbedingungen erreichen.

Bereits im November 2021 hatte ein Großteil der Beschäftigten in der Briefzustellung ihrem Arbeitgeber eine Überlastung angezeigt. “Das Jahr 2021 ist von ständigen Übertragungen, Abbrüchen und Improvisationen geprägt. Seit der letzten Bemessung im September 2021 ist die Belastung noch weiter angestiegen. Jeden Tag wird die Zustellung neu geplant, es gibt keine Ablaufroutine mehr. Eine Zustellung im Sollzustand ist die Ausnahme geworden“…“, hieß es seinerzeit in dem Brief an die Niederlassungsleitung.

Probleme sind hausgemacht

Doch die Zahlen der Bundesnetzagentur zeigen auf, dass es sich offenbar um strukturelle Probleme handelt. Das belegt auch eine Umfrage in einer postinternen Gruppe, die uns vorliegt. Von mehr als 1000 Beschäftigten wurde angezeigt, dass sie mindestens einmal wöchentlich eine sogenannte „Übertragung“ (liegen gebliebene Post wird auf Kollegen aufgeteilt) durchführen müssen. Rund 25% sprechen sogar von nahezu täglicher Übertragung. 

Die Arbeit in der Zustellung war schon immer etwas für Hartgesottene. Bei Wind und Wetter und oft nur unzureichend mit der Möglichkeit, sich unterwegs mal frisch zu machen oder einen Toilettengang vorzunehmen. Doch der Ärger im Unternehmen begründet sich inzwischen auf eine Reihe von Entscheidungen des Konzerns, die an der Basis nicht mehr nachvollzogen werden können. 2015 etwa hat man versucht, neue Kollegen in extra dafür gegründete Tochterfirmen unterzubringen, damit verbunden ein Lohnunterschied von hunderten Euros. Die Proteste waren so groß, dass dieses Vorhaben inzwischen aufgegeben wurde.  Dann die Abschaffung der Stammbezirke, bisher ein Garant für Zuverlässigkeit und Kontinuität für Kunden der Post. Eine Reihe von organisatorischen Änderungen, etwa Prioritäten in der Auslieferung, machen den Zustellenden zu schaffen. Die Touren seien inzwischen so groß, dass sie oftmals nicht zu schaffen sind.

Gespräche mit Mitarbeitern oft wenig wertschätzend

Das Schlimmste aber sei die wenig wertschätzende Kommunikation. Nicht nur bei gesetzlich vorgeschriebenen Krankengesprächen oder anderen disziplinarrechtlichen Maßnahmen, sondern vor allem auch im täglichen Umgang. 

Gewerkschafter machen sich für harten Arbeitskampf stark

Ab dem 6. Januar stehen Tarifverhandlungen an. Zuvor hat eine Befragung der ver.di Mitglieder in den Niederlassungen der Deutschen Post AG im Zeitraum vom 17.10. bis zum 15.11.2022 bemerkenswerte Ergebnisse gebracht. Rund 91% der Beschäftigten sind demnach zu einem Streik bereit. Ein Spitzenwert der vergangenen Jahre! Die Gewerkschaft geht mit einer Forderung von 15% in die Tarifverhandlungen. Azubis sollen monatlich 200 Euro mehr bekommen. Der Vertrag soll 12 Monate laufen.

Streiks nicht ausgeschlossen

Am 17. Januar findet in Hamburg eine Betriebsversammlung statt, die der Auftakt zur Streikrunde werden dürfte, denn die Deutsche Post hat in einem frühen Statement durch ein Vorstandsmitglied selbst die steuerfrei mögliche Sofortprämie von 3000 Euro im Prinzip abgelehnt. Die Kosten in Höhe von 480 Millionen Euro dafür, wären aber nur ein Teil des zusätzlichen Gewinns, den das Unternehmen auf dem Rücken der Beschäftigten eingefahren hat. Allein in den ersten drei Quartalen 2022 machte das Unternehmen 6,5 Milliarden Euro Gewinn. Zusammen mit der Prognose von rund 2,1 Milliarden im letzten Quartal des Jahres ergibt das ein Gewinn von 8,6 Milliarden Euro.

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Ein Kommentar

  1. Sehr gut zusammen fassend dargelegt. Entspricht leider der Wahrheit und mittlerweile ist man als Mitarbeiter sehr enttäuscht von dieser Art der Führung.
    Im Großen wie im Kleinen.

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